Vibecoding – KI macht aus Webdesignern keine Entwickler – aber sie senkt die Hürde

Vor ein paar Jahren hätte ich mir viele meiner heutigen Projekte wahrscheinlich gar nicht vorgenommen.

Nicht, weil die Ideen gefehlt hätten – sondern weil die technische Hürde zu hoch gewesen wäre.

Ich bin Webdesigner. HTML, CSS, etwas JavaScript und PHP kenne ich schon länger. Aber ich hätte mich nie als klassischen Entwickler bezeichnet.

Heute hat sich etwas verändert.

Durch moderne KI-Tools, bessere Entwicklungsumgebungen und neue Arbeitsweisen kann ich Projekte umsetzen, die früher deutlich mehr Zeit, Budget oder ein ganzes Team gebraucht hätten.

Und nein – das bedeutet nicht, dass plötzlich jeder Entwickler ist. Aber es bedeutet: Die Einstiegshürde ist kleiner geworden.

Was ist Vibecoding überhaupt?

Vibecoding ist aktuell eines dieser Begriffe, die plötzlich überall auftauchen.

Gemeint ist damit meist: Nicht mehr jede Zeile selbst schreiben – sondern gemeinsam mit KI entwickeln.

Man beschreibt Anforderungen, testet Ideen, lässt sich Code vorschlagen, verbessert ihn, baut weiter und bleibt als Mensch verantwortlich für Entscheidungen.

Der Name klingt etwas nach Internet-Hype (und vielleicht ist er das teilweise auch), aber dahinter steckt eine echte Veränderung.

Mein Workflow heute: Von der Idee bis zum fertigen Projekt

Mein Ablauf sieht aktuell ungefähr so aus:

1. Idee und Konzept

Am Anfang steht meistens keine Technik.

Ich überlege zuerst:

  • Welches Problem soll gelöst werden?
  • Wer nutzt das?
  • Wie soll es aussehen?
  • Wo entstehen mögliche Schwierigkeiten?

Dann bespreche ich die Idee mit KI.

Nicht um blind Ergebnisse zu übernehmen – sondern um schneller Varianten, Architektur oder mögliche Stolpersteine zu erkennen.

2. Entwicklung in VS Code mit KI-Unterstützung

Danach arbeite ich hauptsächlich in:

VS Code ist dabei für mich die zentrale Umgebung.

Die KI hilft beim Schreiben, Strukturieren und Überdenken des Codes.

Aber:

  • Architektur
  • UX
  • Entscheidungen
  • Testen
  • Fehlerbehebung
  • Performance

… bleiben weiterhin meine Aufgabe.

3. Versionierung mit GitHub

Danach geht das Projekt zu GitHub.

Das hat für mich zwei Vorteile:

Nachvollziehbarkeit
Ich kann Änderungen sauber verwalten.

Sicherheit
Falls etwas schiefgeht, kann ich jederzeit zurück.

Gerade wenn KI beteiligt ist, wird Versionskontrolle aus meiner Sicht deutlich wichtiger.

4. Deployment und Feedback

Danach wird veröffentlicht.

Bei mir aktuell oft über Hosting bei Infomaniak.

Und dann beginnt eigentlich der wichtigste Teil:

Feedback → verbessern → erneut testen → weiterentwickeln.

Praxisbeispiel: QR Swiss – ein Projekt, das ich früher wahrscheinlich nicht gestartet hätte

Ein gutes Beispiel ist:

QR Swiss

An dem Projekt habe ich ungefähr 2 Monate nebenbei gearbeitet – und entwickle es weiterhin laufend weiter.

Die Idee: Dynamische QR-Codes erstellen.

Das bedeutet: Der QR-Code bleibt gleich – aber das Ziel kann später jederzeit geändert werden.

Zum Beispiel:

Heute → Website
Morgen → Landingpage
In 3 Monaten → Aktion

… ohne den QR-Code neu drucken zu müssen.

Zusätzlich können verschiedene Designs erstellt werden.

Der QR-Code enthält einen Shortcode. Beim Scannen wird dieser aus der Datenbank gelesen und zusätzlich gecached, damit auch bei vielen Zugriffen alles schnell bleibt.

Das Spannende an dem Projekt war für mich nicht nur die Technik.

Sondern Themen wie:

  • UX entwickeln
  • Performance optimieren
  • zum ersten Mal ein grösseres Projekt strukturieren
  • lernen, während man baut
  • Entscheidungen treffen statt nur Designs erstellen

Die Vorteile von Vibecoding

Schnellere Umsetzung

Einer der grössten Vorteile ist aus meiner Sicht die Geschwindigkeit.

Ideen bleiben heute weniger lange auf dem Papier oder in Notizen liegen. Durch moderne Entwicklungswerkzeuge und KI-Unterstützung können erste Prototypen, Funktionen oder ganze Abläufe deutlich früher sichtbar gemacht werden.

Mehr Möglichkeiten für kleinere Unternehmen

Nicht jedes Projekt braucht heute sofort ein grosses Entwicklerteam oder ein hohes Startbudget.

Viele kleinere Unternehmen oder KMU haben gute Ideen, setzen sie aber oft nicht um, weil Aufwand, Kosten oder Unsicherheit zu gross erscheinen.

Durch moderne Entwicklungsprozesse können erste Versionen oder kleinere Anwendungen heute oft schneller entstehen.

Das eröffnet neue Möglichkeiten – zum Beispiel:

  • interne Tools
  • Landingpages mit Zusatzfunktionen
  • Automatisierungen
  • Kundenbereiche
  • individuelle Weblösungen
  • digitale Zusatzprodukte

Natürlich ersetzt das keine professionelle Entwicklung bei grossen Projekten – aber die Einstiegshürde für kleinere Lösungen ist deutlich niedriger geworden.

Mehr Raum für Kreativität

Ein Vorteil, über den aus meiner Sicht zu wenig gesprochen wird:

Wenn weniger Zeit für Standardaufgaben benötigt wird, bleibt mehr Zeit für die Dinge, die wirklich den Unterschied machen.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • bessere Nutzerführung (UX)
  • neue Funktionen
  • Design
  • Inhalte
  • Performance
  • echte Problemlösung

Anstatt jede technische Kleinigkeit von Grund auf neu aufzubauen, kann mehr Energie in das eigentliche Ziel des Projekts fliessen.

Einstieg in neue Bereiche

Für mich persönlich ist das wahrscheinlich einer der spannendsten Punkte.

Webdesigner können heute deutlich näher an Entwicklung arbeiten als noch vor einigen Jahren.

Das bedeutet nicht, dass plötzlich jeder Entwickler wird. Aber wer bereits Grundlagen in HTML, CSS, JavaScript oder PHP hat, kann heute deutlich einfacher erste eigene Anwendungen, Tools oder Prozesse umsetzen.

Die Grenze zwischen Design, Konzeption und Entwicklung wird etwas durchlässiger.

Dadurch entstehen neue Möglichkeiten – nicht nur für Agenturen und Entwickler, sondern auch für Einzelpersonen oder kleinere Unternehmen mit eigenen Ideen.

Aber es gibt auch Nachteile und Risiken

Bei aller Euphorie: Vibecoding ist kein Zaubertrick.

Nur weil heute mehr Menschen schneller entwickeln können, entstehen nicht automatisch bessere Produkte.

Ein funktionierendes Projekt ist nicht automatisch ein gutes Projekt.

Technische Schulden

Einer der grössten Nachteile ist aus meiner Sicht: Man kann heute sehr schnell sehr viel bauen – ohne die Folgen sofort zu sehen.

KI erzeugt oft Code, der funktioniert.

Aber funktionieren und langfristig wartbar sind zwei verschiedene Dinge.

Wenn Struktur, Architektur oder Dokumentation fehlen, entstehen schnell technische Schulden.

Das merkt man häufig erst später:

  • neue Funktionen werden langsam
  • Änderungen werden kompliziert
  • Fehler treten an mehreren Stellen auf
  • niemand weiss mehr genau, warum etwas so gebaut wurde

Gerade deshalb wird sauberes Arbeiten mit wachsender Projektgrösse eher wichtiger als unwichtiger.

Performance-Probleme

Was lokal gut aussieht, funktioniert nicht automatisch unter echter Belastung.

Viele Projekte werden zunächst für wenige Nutzer gebaut – später kommen plötzlich mehr Besucher, mehr Daten oder mehr Zugriffe dazu.

Dann zeigen sich oft Schwächen.

Themen wie:

  • Ladezeiten
  • Datenbankabfragen
  • Caching
  • Serverlast
  • Skalierung

werden schnell relevant.

Deshalb lohnt es sich, Performance früh mitzudenken – nicht erst dann, wenn etwas langsam wird.

Sicherheit

KI kann Code schreiben. Aber sie übernimmt keine Verantwortung.

Gerade bei Formularen, Logins, Datenbanken oder Schnittstellen können kleine Fehler grosse Auswirkungen haben.

Typische Themen sind:

  • fehlende Validierung
  • unsichere Datenbankabfragen
  • zu offene Zugriffsrechte
  • fehlende Absicherung gegen Angriffe

Deshalb reicht „läuft bei mir“ in echten Projekten nicht aus.

Schlechte Nutzererfahrung

Ein Projekt kann technisch perfekt funktionieren – und trotzdem niemanden überzeugen.

Das sehe ich als Webdesigner besonders oft.

Wenn Nutzer nicht verstehen:

  • was sie tun sollen
  • wo sie klicken müssen
  • warum etwas passiert

hilft die beste Technik wenig.

Deshalb bleiben UX, Struktur und Nutzerverständnis auch im Zeitalter von KI aus meiner Sicht entscheidend.

Für wen ist Vibecoding geeignet?

Aus meiner Sicht besonders für:

  • KMU mit digitalen Ideen
  • Start-ups
  • Webdesigner
  • Selbstständige
  • Menschen mit Produktideen

Weniger geeignet ist es, wenn man glaubt:

„Ich lasse mir 20 Prompts schreiben und habe morgen ein SaaS-Unternehmen.“

So funktioniert es in der Realität meistens nicht.

Mein Fazit

Ich würde mich heute immer noch nicht als klassischen Entwickler bezeichnen. Aber ich kann heute deutlich mehr umsetzen als noch vor wenigen Jahren. Nicht weil KI alles übernimmt. Sondern weil moderne Werkzeuge die Hürde kleiner machen.

Und ich glaube, genau das ist die eigentliche Veränderung. Nicht weniger Fachwissen. Sondern mehr Möglichkeiten.

Sie haben eine Idee und möchten prüfen, ob sie umsetzbar ist?

Nicht jedes Projekt braucht direkt ein grosses Entwicklungsteam.

Manchmal reicht ein Gespräch, ein Prototyp oder ein erster technischer Test.

Wenn Sie eine Idee haben und wissen möchten, wie man daraus eine Website, ein Tool oder einen ersten Prototypen machen könnte – melden Sie sich gerne bei mir.

Oder schauen Sie als Beispiel mein Projekt QR Swiss an.


Kevin Kühn

Autor: Kevin Kühn, Inhaber / Webdesigner
Hi, ich bin Webdesigner und entwickle moderne, klar strukturierte Websites, die nicht nur gut aussehen, sondern auch dafür sorgen, dass Besucher sich problemlos zurechtfinden. Mein Ziel ist es, kleinen und mittleren Unternehmen zu helfen, online sichtbarer zu werden und mehr Kunden zu gewinnen.